22. September 2026 | David Gregory | 0 Kommentare

Ein Blick auf das Heilige in Staunen, Verspieltheit und Verbundenheit

Als ich mit dem Fahrrad an einem Bach entlangfuhr, der durch die Parklandschaft und den Wald von Milton Keynes fließt – der britischen Stadt, in der ich lebe –, hielt ich plötzlich an. Etwas Wunderbares hatte meine Aufmerksamkeit erregt. Ein Eisvogel, der auf einem Ast saß. Regungslos, aufmerksam, über dem Wasser schwebend. Stille und Achtsamkeit, die uns verbanden. Ein heiliger Moment, der viel zu schnell vorbei war, wie es vielleicht bei allen heiligen Momenten der Fall ist. Ein blauer Lichtblitz, der in der Sonne glitzerte – er schoss schnell und tief über den Bach hinweg und verschwand rasch zwischen den Bäumen aus meinem Blickfeld.

 

Der Eisvogel (engl.: „Kingfisher“) trägt seinen Namen zu Recht; er spiegelt sein Verhalten und seine lebhafte Pracht wider. In der Bibel lädt Gott Adam ein, aufmerksam auf die Natur zu achten. Er führte die Tiere vor ihn, „damit er sähe, wie er sie nennen würde“ (Genesis 1,19). Achtsamkeit verbindet den Menschen mit dem Schöpfer und einer wundersamen Welt, die Gott für gut erklärt.

 

Durch Gottes Gabe der Wissenschaft haben die Menschen ihre Achtsamkeit gegenüber der Welt um sie herum vertieft. Neue Fenster wurden geöffnet zum Glanz des Kosmos, nah und fern, groß und klein; zur Schönheit und Komplexität des Lebens, inmitten dessen wir leben – jenseits von Adams Wissen, ja sogar jenseits unserer Benennungsmöglichkeiten. Achtsamkeit ruft ein lauteres, tieferes „Wow“ hervor, das auf den wundersamen Garten reagiert, der die Erde ist: ein guter Ort, mit genau der richtigen Atmosphäre und genau der richtigen Temperatur, genau dem richtigen Magnetfeld und genau dem richtigen Mond; miteinander verwobene Faktoren, die es dem Leben in seiner Pracht ermöglichen, auf der langen Reise der Erde zu gedeihen. Die fantasievolle Kreativität der menschlichen Wissenschaft trifft auf die des göttlichen Künstlers und gewährt uns durch das Wunder des Ganzen Einblicke in die Zeichen der Gnade Gottes. Führt das zu Demut? Und zu Dankbarkeit?

 

Heute erkennen wir dank Gottes Gabe der Wissenschaft die wundersame Vielfalt des Lebens auf umfassendere und tiefere Weise als unsere Vorfahren; dies lädt uns ein, der göttlichen Absicht und Gestaltung der Welt zu begegnen, während wir verstehen, welche Rolle die Evolution bei der Entstehung der Welt gespielt hat. In der Bibel wird ein von Leiden geplagter Mann, Hiob, von Gott auf eine Reise durch die Wunder der Natur mitgenommen. So wie wir von den atemberaubenden Bildern in Naturdokumentationen beeindruckt sind, war auch er fasziniert. Doch ist unsere Reaktion dieselbe wie die seine? Denn am Ende erklärt Hiob: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ (Hiob 42,5). Unser Blick ist weiter, tiefer, höher, umfassender. Doch lässt sich dasselbe auch von unserer Achtsamkeit sagen? Von unserer Dankbarkeit?

 

Die Welt, in der wir leben, und das Leben, das wir mit ihr teilen, sind von Gott durch das Leben des Sohnes Gottes, Jesus, geprägt. „Denn in ihm wurde alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist […]; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.“ (Kolosser 1,16–17). Die Schönheit und Herrlichkeit der Natur lassen diese göttliche Gestaltung erahnen. Doch was ist mit der Zerbrochenheit und dem Verlust, die sich in der langen Tragödie des Lebens zeigen und als Fossilien in Erinnerung bleiben, welche ebenso wundersame, längst vergangene Zeitalter offenbaren? Wir finden und erleben in unserer Welt nach wie vor Schmerz neben der Schönheit. Denn während der Eisvogel seinen Namen zu Recht wegen seiner Pracht trägt – wie würde ihn wohl der Fisch im Bach nennen?

 

Jenseits der Schönheit lässt sich Gott vielleicht inmitten des Verlusts und der Hoffnung, die all dies mit sich bringt, erahnen. In der Katastrophe des Massensterbens geht Leben unter, doch es erhebt sich wieder in neuen und fantasievollen Formen. Dies ist eine Geschichte des Lebens, die durch das Muster von Ostern lange in der Hoffnung bewahrt wird. Tod und Auferstehung offenbaren die Liebe Gottes zur Welt in ihrem chaotischen Tanz zwischen Ordnung und Unordnung; sein tiefes Mitgefühl in ihrem Leiden, sein fortwährend wirkender schöpferischer Geist, der sie hin zu Leben und Hoffnung führt.

 

In den Tanz der Welt trat derjenige ein, der ihr Leben schenkt. Jesus, der Göttliche, wurde „Fleisch und wohnte unter uns“ (Joh 1,14). Jesus bekräftigt den Wert aller Lebensformen. Jeder Teil drückt auf einzigartige Weise Gottes schöpferische Vorstellungskraft aus und fügt sich auf Weisen in seinen Plan ein, die wir wahrnehmen und auch nicht wahrnehmen. Dabei bekräftigt er den Einen inmitten der unermesslichen Vielfalt des Lebens – den Einen, dessen Schöpferkraft die des Schöpfers widerspiegelt. Diese Schöpferkraft drückt sich auf vielfältige Weise einschließlich der Wissenschaft aus. Jesus sieht unsere Welt und den Kosmos umfassender und tiefer, als es unsere Satelliten und wissenschaftlichen Instrumente ermöglichen. Dennoch kommt er und betrachtet das Wunder des Lebens mit unseren Augen, damit wir es mit seinen Augen sehen können.

 

Jesus lebte als einer von uns – ein Zeichen für die Verbindung zwischen dem Göttlichen und allem Lebendigen; das Göttliche achtet auf das Geschaffene auf neue Weise und lädt uns ein, achtsam zu sein und unseren Teil zu Gottes Plänen beizutragen. Allzu oft kümmern wir uns um unsere eigenen Bedürfnisse und unsere Sicherheit, bevor wir uns um die unserer Nächsten kümmern – noch vor der Lebensgemeinschaft, mit der wir die Erde teilen.

 

Allzu oft nutzen wir unsere wissenschaftlichen und technischen Fähigkeiten, um uns selbst zu bereichern, anstatt uns an dem göttlichen Wunder zu erfreuen, das sie offenbaren. In der Bibel wurden die Menschen durch ihre eigene Torheit aus dem Garten Eden vertrieben. Nun vertreiben wir durch unsere anhaltende Torheit auch andere. Vor langer Zeit gaben wir „den Vögeln der Luft und allen Tieren des Feldes“ Namen (Gen 2,20). Doch wie würden die Tiere uns in der Welt, die wir erschaffen, benennen?

 

Die Geschichte der Bibel endet mit einem „Strom des Wassers des Lebens, klar wie Kristall, der … mitten durch die Straße der Stadt fließt“ (Offb 22,1–2). Wenn künftige Generationen an dem Bach verweilen, der sich durch meine Stadt schlängelt, werden sie dann die Gelegenheit haben, dem Eisvogel ihre Aufmerksamkeit zu schenken – einem Zeichen für die wunderbare Schöpferkraft Gottes, in die unser Leben und alles Leben auf der Erde eingewoben ist? Von Gott in Hoffnung getragen durch Fallen und Aufstehen, sieht er dem Tod entgegen und wird doch durch die göttliche Gegenwart zur Fülle des Lebens hingezogen: „Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu das Antlitz der Erde.“ (Psalm 104,30).

 

Derselbe Geist wirkt in unserem Leben und lädt uns ein, gemeinsam mit Gott den Menschen und der Lebensgemeinschaft, mit der wir die Erde teilen, Hoffnung zu bringen. Wenden wir uns von einem Leben ab, das die Unordnung der Welt vergrößert, und leben wir so, dass wir mit dem Schöpfer zusammenarbeiten, um der Erde Frieden zu bringen. Jetzt. Und für die Zukunft.

 

Über den Autor

 

David Gregory ist Baptistenpastor. Ihn interessieren Meteorologie und Klimawissenschaft. Er ist als baptistischer Missionar für Wissenschaft und Umwelt tätig und leitet das Umweltnetzwerk der Baptistenunion. Sein jüngstes Buch „Divine Windows – Seeing God through the lens of science“ wurde im Juli 2025 von der Bible Reading Fellowship veröffentlicht (https://www.brfresources.org.uk/) und untersucht, wie Gott in den Bildern der Wissenschaft durch Themen wie Staunen, Spiel und Gemeinschaft erahnt werden kann. Er ist außerdem Autor und Moderator der vierteiligen Filmreihe „God Saw That It Was Good“ (www.gstiwg.co.uk). Der Blogbeitrag basiert auf der letzten Folge mit dem Titel „Life“.

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