2. Dezember 2019 | Robert Sluka | 0 Kommentare

Frieden auf Erden und den Seekühen ein Wohlgefallen

Advent und Weihnachten erinnern uns daran, dass das Christuskind gekommen ist, um Frieden zu bringen. Wir erinnern uns daran, dass wir Frieden mit Gott brauchen und dass seine Geburt, sein Leben, Sterben und seine Auferstehung dies ermöglichen. Wir erinnern uns auch daran, dass wir Frieden mit unserem Nächstem brauchen. Doch hat Jesu Geburt auch etwas mit Frieden zwischen uns und den Tieren zu tun? Bedeutet das Kommen Christi in diesem Fall „ein Wohlgefallen den Seekühen“?

In Florida gibt es nur noch circa 6300 Seekühe, auch wenn dies eine Steigerung ist von 1267 Seekühen in 1991. Die Art ist in Florida unter dem Namen Amerikanische Seekuh oder auf Deutsch als Karibik-Manati (Trichechus manatus) bekannt.

Was bedeuten diese Zahlen? Es gibt viele Methoden, den Schutzstatus von Arten zu beurteilen und Prioritäten zu setzen. Ein häufig genutztes Werkzeug ist hierbei die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Experten nutzen geschichtliche und aktuelle Untersuchungen unter anderem zu Populationsgröße, der Allgemeinen Biologie der Art, Lebensraumnutzung und Bedrohungen, um zu beurteilen, wie gefährdet eine Art global gesehen ist. Die Westindische Seekuh ist als gefährdet eingestuft.

Die Hauptgründe für die Sterblichkeitsrate der Seekühe in Florida sind der Verlust von Warmwasser-Lebensräumen, Algenblüten (die sogenannten „red tides“) und durch Wasserfahrzeuge verursachte Verletzungen. Momentan wird sehr gute Arbeit zur Bewahrung der Art geleistet und Populationen scheinen zu wachsen, doch das ist ein Thema für einen anderen Artikel.

Ich schreibe dies nahe dem Naturpark Weeki Wachee Spring (nein, ich bin nicht bis zur Meerjungfrau Show geblieben!). Auf den Schildern für Bootsfahrer steht hier: „Langsam fahren, Seekuh-Zone“. Obwohl es immer noch zu viele Todesfälle durch den Zusammenstoß von Seekühen mit Booten gibt, haben Gesetze zur Geschwindigkeitsbegrenzung in bestimmten Gebieten dazu beigetragen, dass Populationen wachsen. Wenn wir unsere Eile zum nächsten Ort zu kommen, herunterfahren, können wir mehr tun als nur die Wahrscheinlichkeit verringern, in eine Seekuh zu stoßen. Wir bekommen auch die Gelegenheit, das sanft wiegende Seegras, Schwärme von Meeräschen, sich sonnende Schildkröten, und vielleicht sogar ein oder zwei freche Alligatoren zu sehen. Allerdings werden wir länger zu unserem Ziel brauchen.

Wir alle wissen, dass wir von Zeit zu Zeit langsamer werden sollten – wir brauchen eine Sabbat-Pause. Vielleicht ist es idealistisch, das zu glauben, aber ich denke nicht, dass die gesamte Weihnachtszeit in einem rasenden Tempo gelebt werden muss.

Wenn wir uns verlangsamen, besteht die reelle und sehr wahrscheinliche Gefahr, dass wir etwas nicht beenden werden oder nicht in der Lage sein werden, so viel zu tun wie andere oder wie wir gerne tun würden, aber dadurch ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir etwas sehr Wertvolles beschützen werden und manche Dinge auf unserem Weg sehen werden, die wir sonst verpasst hätten.

Abzulassen von unserem Konsumismus, unserem Hang, Dinge anzuhäufen und unserer Eile, von Ort zu Ort zu hasten, das wird unsere (negative) Auswirkung in der Welt verringern. Im Advent warten wir. Dieses Warten kann uns Frieden bringen – Frieden, den Christus gibt, nicht basierend darauf, wie viel wir haben oder kaufen kännen. Das ist eine gute Nachricht für uns – und für alle Spezies.

Christi Geburt erinnert uns an Frieden. Dr. Ruth Valerio schreibt in ihrem Buch Just Living, dass dieser Friede „Frieden mit Gott, Frieden mit anderen und Frieden mit der gesamten Schöpfung“ bedeutet.

Wenn wir unser Tempo herunterfahren – weniger kaufen, weniger konsumieren, mehr geben –, dann ist Weihnachten wahrhaftig Friede auf Erden und Wohlgefallen den Seekühen.

Übersetzung: Naomi Bosch

Kategorien: Reflexionen
Über Robert Sluka

Bob arbeitet seit 20 Jahren auf dem Gebiet des Meeresschutzes. Sein Schwerpunkt liegt auf geschützen Seegebieten und der Ökologie und Fischerei in Korallenriffen. Nachdem er seine Promotion in Florida und der Karibik abgeschlossen hat, verbrachte Bob zehn Jahre in Südasien, überwiegend in India und den Maledivischen Inseln. Bei seinem Umzug nach Großbritannien im Jahr 2006 lernte er A Rocha kennen. Dort begann, bei der Erneuerung von Wacholdervegetation in den Chiltern Hills und einem marinem Forschungsprojekt in Wales mitzuarbeiten. 2010 half er mit, ein Projekt zum Schutz der Meere in Mwamba, A Rocha Kenia’s Forschungszentrum, aufzubauen. Zurzeit lebt er in Florida, USA.

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